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Was Ich Wünschte, Jeder Wüsste Etwas über Tchibo Wohnzimmertisch

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Was Ich Wünschte, Jeder Wüsste Etwas über Tchibo Wohnzimmertisch

Der Todesstreifen sollte zum Blütenmeer werden, mit dieser Vision machten sich im Frühjahr 1990 einige Ostberliner ans Werk. Sie organisierten zehn Tonnen Lupinensamen und schafften es sogar, ehemalige Grenzschützer einzuspannen: Mit einem alten Armeelaster brachten die Soldaten das Saatgut ans wiedereröffnete Brandenburger Tor.

Couchtisch - Tchibo - tchibo wohnzimmertisch
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“Es sah verrückt aus, wie die Soldaten, die noch vor wenigen Monaten dem Schießbefehl folgten, nun mit Saattüchern versehen weit ausholend die gelbe, bittere Lupine in ihrem Todesstreifen aussäten”, sagt Carlo Jordan. Er war als Umweltschützer in der DDR aktiv, nun verteilte er mit vielen Helfern Pflanzensamen entlang der Mauer – kilometerweit. “Wir träumten von einem Mauerpark, größer als der, der am Ende dabei heraus kam.”

Im Osten Deutschlands war ein kurzes Jahr der Anarchie angebrochen. Die Zeit zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung brachte ein Gefühl grenzenloser Freiheit ins Land. Der eine Staat war fast verschwunden, der andere noch nicht richtig da. Eine Zwischenzeit, in der die Menschen keine Autoritäten, keine Ämter oder Behörden um Genehmigungen bitten mussten. 16 Millionen DDR-Bürgern stand über Nacht die Welt offen. Jeder hatte plötzlich die Chance zu tun, was er schon immer wollte, egal wie provokativ, verrückt und improvisiert es auch sein mochte. Legal, illegal, scheißegal, die alte Sponti-Parole des Westens – im Osten wurde sie Realität.

Mikronation “Bunte Republik Neustadt” (BRN)

“Du hast mir gar nüscht mehr zu sagen”, das war der Standardspruch der früher Herumkommandierten gegenüber Uniformträgern. Auf ostdeutschen Straßen herrschte Narrenfreiheit. Autofahrer scherten sich kaum noch um die Verkehrspolizei. Selbst Bankräuber entkamen, weil verunsicherte Polizisten in ihren lahmen Kisten es nicht hinterherschafften. Prozesse fielen auf unbestimmte Zeit aus, weil die Angeklagten einfach nicht vor Gericht erschienen. Die Ordnungshüter des alten Systems, gewohnt, Befehle zu empfangen, waren führungslos und ohne Idee, wie sie ihre Autorität zurückgewinnen könnten. Eine Zeit, die auch eine dunkle Seite kannte: Abzocker, Betrüger und Glücksritter nutzten die neue Anarchie auf ihre Art. Schwarzmärkte boomten, Zigarettenschmuggler machten glänzende Geschäfte.

Andere erhoben die neue Freiheit zum Gesellschaftsprinzip. Zum Beispiel Anwohner des Dresdner Stadtteils Neustadt. Im Juni 1990 erklärten sie ihr Viertel zur “Bunten Republik Neustadt” (BRN). Die Staatsgrenze markierten sie mit einem weißen Strich auf dem Pflaster. Zwischen Bautzener und Königsbrücker Straße, dem Hoheitsgebiet der neuen BRN, herrschten die Gesetze der “ordentlichen provisorischen Regierung”. Als Währung galt die “Neustadtmark”, die 1:1 gegen Ost-, zum schlechteren Kurs jedoch gegen Westmark eingetauscht wurde.

Überall in den Straßen des verfallenen Altstadtviertels waren bunte Staatsflaggen und Transparente gehisst. An einem sonnigen Wochenende feierte die Mikronation ein ausgelassenes Staatsfest mit ungenehmigten Bewirtungs- und Verkaufsständen. “Juhu! BRN”, sprühte eine Bewohnerin ihr Gefühl auf eine graue Hauswand. Das Neustadtfest gibt es in Dresden noch immer, inzwischen ist es aber eine Touristenattraktion.

Erklärung BRN

Couchtisch Mit Rollen Tchibo | Couchtisch 10x10cm Sonoma Eiche ..
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“Vor 25 Jahren entstand die Idee zum eigenen Staat mit dem ersten selbst organisierten Straßenfest in einer Dresdner Kneipe namens Bronxx”, erinnert sich Gregor Kunz. Er trat damals als “Monarch ohne Geschäftsbereich” auf. Mitstreiter nannten sich Minister für “Wehrkraftzersetzung” oder “Unkultur”. Rund 30 junge Frauen und meist bärtige Männer, sagt Kunz, “machten sich sofort ans Werk”. Für die Wechselstube der Bunten Republik stellten sie stapelweise “Punknoten” her. “Es war ja auch eine politische Aktion”, so der Ex-Monarch, “gegen Währungsunion, Spekulation und Vertreibung der Bewohner aus ihren Wohnungen.”

“Arsch-Dressur” und “Lustverlies”

In den knapp zwölf Monaten zwischen dem 9. November 1989 und dem 3. Oktober 1990 passierte so viel wie sonst in zwölf Jahren, erinnert sich der Historiker Andreas Pausch: “In Weimar haben wir uns in der Gerberstraße ein leer stehendes Haus genommen und ein eigenes Kulturcafé gegründet, ohne jemanden zu fragen.” Bands traten auf, die Polizeistunde wurde ignoriert. Das “Gerber” mit Strohballen und zugemauerten Fenstern ist bis heute Treff der Weimarer Künstler- und Jugendszene. “Niemand kam und hat uns kontrolliert”, freut sich Pausch noch immer. “Das war schon ziemlich cool, eine Befreiung für unsere Generation.”

Auch eine sexuelle Befreiung. Zwar waren Nacktbaden und andere Freizügigkeiten schon in der DDR weit verbreitet. Doch nun verkauften fliegende Händler von der Laderampe ihres Lastwagens herunter Dildos und andere Sexspielzeuge westlicher Produktion, die man im Osten nur vom Hörensagen kannte. DDR-Bürger ließen sich nach der Maueröffnung in ihren Schlafzimmern beim Sex filmen und dabei auch noch interviewen. Raubkopien von Pornofilmen wurden auf Tapeziertischen auf Plätzen und Straßen zum Kauf angeboten – Jugendschutz hin oder her. Jeder nutzt die rechtsfreien Räume auf seine Art.

Eine Dame bei Oranienburg wandelte ihre Privatwohnung in einen Sexshop um. Sie dekorierte zwei Räume zu Verkaufsflächen um. Auf ihrer massiven Eichenschrankwand stapelte sie Bücher und Broschüren wie “Arsch-Dressur” oder “Das Lustverlies”. Der Wohnzimmertisch mit Blümchendecke fungierte als Auslage für allerlei Dildos. An der Wohnungstür brachte sie ein Schild “Laden” an. Mehr war nicht nötig, es sprach sich rasant herum. Man klingelte und wurde in den “Laden” eingelassen. “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen” – was Karl Marx für den Kommunismus versprochen hatte, praktizierten DDR-Bürger nun auf ihre Art landauf und landab.

Nachrichten von “Kanal X”

Überall kamen Bürger, die 40 Jahre gehorchen sollten, plötzlich auf kreative Ideen. Schankerlaubnis? Gewerbegenehmigung? Lebensmittelaufsicht? Buchhaltung und Steuer? Wen interessiert das noch. Wer jahrelang gegängelt wurde, will jetzt einfach mal machen.

Tchibo Couchtisch Mit Stauraum - tchibo wohnzimmertisch
Tchibo Couchtisch Mit Stauraum – tchibo wohnzimmertisch | tchibo wohnzimmertisch

Einen eigenen Fernsehsender ohne Lizenz gründeten einige Bewohner von Leipzig. Sie hatten genug von der jahrzehntelangen Propaganda im Staatsfernsehen und wollten lieber etwas Eigenes starten, als auf die öffentlichen Rundfunkanstalten des Westens zu warten. Anfangs gab es nur eine Videokamera, einen VHS-Rekorder und ein kleines, improvisiertes Studio direkt neben der alten SED-Stadtleitung. Den TV-Pionieren gelang es, mit ihrem “Kanal X” auf Sendung zu gehen. Zum Programm gehörten ein “internationaler Nachrichtenblock” und lokale Berichte, aufgenommen in Leipzigs Straßen.

Joerg Seyde, damals “Programmdirektor”, hatte mit vielen Widerständen zu kämpfen. Der Hauswart kappte die Antennenleitung zum Hausdach, und auch die Deutsche Post (Ost) intervenierte: “Wie Ihr Betrieb läuft, ist er nicht akzeptabel, entspricht nicht den Sendevorschriften”, schrieben die Beamten erbost an Seyde und seine Mitstreiter.

Das scherte die enthusiastischen Fernsehpiraten wenig, sie sendeten einfach weiter, wenn auch ihre Antenne auf dem Dach immer nur einen Teil der Stadt erreichen konnte. Nach der deutschen Einheit wurde der Druck durch die Bundespost immer größer, der Sender verstummte. Doch die erhalten gebliebenen chaotisch-kreativen Sendungen von Kanal X zeugen von der anarchischen Freude der Beteiligten und sind ein seltenes Zeitdokument.

Die Saat war kaum aufgegangen

In größeren Ost-Städten wurden leer stehende Fabriken und bunkerartige Keller in Besitz genommen, entstanden illegale Bars, Klubs, Ateliers, Theater oder Galerien. Ohne Mietverträge, ohne Kassenbuch, ohne baupolizeiliche Genehmigung. Freiheit und Anarchie mussten gefeiert werden. Von den Köpfen sprang das Lebensgefühl bei wilden Partys auf den ganzen Körper über. Die Subkulturen der Ost- und West-Jugend trafen aufeinander. Die Ost-Berliner Mainzer Straße wurde von 300 Besetzern zur autonomen Festung gegen Spekulanten ausgebaut. Sie fiel erst nach der deutschen Einheit – in einer spektakulären Schlacht mit der Polizei.

Auch innerhalb der Institutionen gab es Bewegung: Im staatlichen Rundfunk der DDR erzwangen autonome Redakteursräte ein Mitsprache- und Kontrollrecht; bei der Nationalen Volksarmee bildeten sich Soldatenräte. In den Gefängnissen entstanden nach Revolten und Hungerstreiks Gefangenenräte.

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“Im Herbst 1989 haben wir nicht danach gefragt, was die alten Machthaber erlauben, sondern wir haben einfach gehandelt”, erinnert sich Christoph Links, damals Mitarbeiter im Aufbau-Verlag. Nur wenige Wochen nach dem Mauerfall erfüllte er sich einen alten Traum: “Ich habe mit Freunden endlich jenen unabhängigen Sachbuchverlag gegründet, der mir ein halbes Jahr zuvor nicht erlaubt worden war.”

Mit seinem Ch. Links Verlag hat er seither viele umfangreiche Werke zur DDR-Geschichte veröffentlicht. Sein Fazit zu jenen Monaten der Anarchie vor 25 Jahren kann er in zwei kurzen Sätzen zusammenfassen: “Es war eine herrliche, eine vitale Zeit. Es hätte dem vereinten Land gutgetan, wenn sie noch etwas länger gedauert hätte.”

Nach dem 3. Oktober 1990 war es damit bald vorbei, Helmut Kohl begann mit seinem Versuch, im Osten blühende Landschaften zu schaffen.

Carlo Jordan und seine Berliner Freunde, die Künstler Anna Franziska Lobeck, Manfred Butzmann und Peter Schwarzbach, hatten unterdessen ihre eigene, sehr ostdeutsche Vision von einem Blumenmeer am Todesstreifen längst aufgegeben. Ihre Saat war kaum aufgegangen. Der größte Teil der Lupinensamen wurde von Vögeln vertilgt, und über die ersten zarten Sprossen machten sich Kaninchen her.

Peter Wensierski:
Die verbotene Reise

Die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht.

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Deutsche Verlags-Anstalt;
256 Seiten; 19,99 Euro.

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hakim

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