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Foto: Gabriel Nuncio

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Innerhalb von zehn Tagen—zwischen Sonntag, dem 26. Januar, und Mittwoch, dem 05. Februar 2014—verließen knapp 100 Regierungsangestellte im Bundesstaat Coahuila in Nordmexiko ihre Büros, um eine recht ungewöhnliche Feldforschung zu betreiben. Sie wollten untersuchen, was genau mit Dutzenden Menschen passiert ist, die in der Region Los Cinco Manantiales (dt. Die fünf Quellen) verschwunden sind.

Teil des ehrgeizigen Vorhabens waren eine kriminaltechnische Untersuchung von 50 Häusern, Geschäften, Gefängnissen, Farmen und verlassenen Grundstücken sowie die Befragung ehemaliger Bürgermeister, Stadtratsmitglieder und Verwaltungsangestellter in insgesamt elf an der Grenze zu Texas gelegenen Städten.

Der ehrgeizige Sondereinsatz der Regierung stiftete allerdings nichts als Verwirrung. Die Aktion wurde von der Presse kritisiert, während lokale Organisationen im Namen der Familien der Vermissten Zweifel bezüglich seiner Wirksamkeit äußerten.

Obwohl Landes- und Bundespolizei genauso wie Armee und Marinesoldaten an der Operation beteiligt waren, wurde sie von einer Regierungsbehörde von Coahuila geleitet, die 2012 eingerichtet worden war. Der Name der Behörde fasst im Grunde genommen die Tragödie zusammen, die den Bundesstaat erschüttert hat. Sie heißt Unterankläger zur Untersuchung und Suche vermisster Personen, für Zuwendungen an die Opfer, Verletzten und Zeugen von Coahuila.

Der Einfachheit halber nennen wir die Behörde hier den Unterankläger.

Die Operation konzentrierte sich auf Allende, eine Stadt in der Region Los Cinco Manantiales, die nach den zahlreichen Quellen benannt wurde, die in ihren Ebenen entspringen. Im März 2011 wurde in Allende (Einwohnerzahl 22000) ein Massaker begangen, das jetzt, nach drei Jahren, endlich von den Behörden untersucht wird. Kommandotruppen des Zeta-Kartells plünderten und zerstörten Dutzende Gebäude und entführten circa 300 Menschen, die nie wieder auftauchten.

Der Vorfall wurde drei Jahre lang in Schweigen gehüllt. Die Behörden haben bis heute nicht öffentlich gemacht, was genau geschehen ist.

Entlang des Weges

Das Erste, was man sieht, wenn man die Grenzstadt Colombia gen Westen verlässt, ist ein Posten der Marine, was seltsam ist, weil das Meer weit, weit weg ist. Marinesoldaten haben ihre Präsenz in der Region seit 2012 verstärkt. Entlang der breiten Fernstraße La Ribereña, die auf mexikanischer Seite am Rio Grande entlangführt, haben sie Dutzende Zelte aufgestellt. Die Marineinfanterie kampiert in Gräben in den Bergen und hält dort Wache. Andere stoppen die wenigen Autofahrer, die diese Straße entlangkommen. Sie gilt als eine der gefährlichsten in ganz Mexiko.

Zwischen 2010 und 2013 sollen hier Dutzende Zusammenstöße zwischen Drogenkonvois und bewaffneten Regierungstruppen stattgefunden haben. Das ist vermutlich aber nur ein Bruchteil der tatsächlichen Zahl der Zusammenstöße (die nicht öffentlich erfasst wird).

Die Sonne scheint das ganze Jahr lang unbarmherzig auf Yuccas und andere Pflanzen herab. Hier und da tauchen Schilder am Straßenrand auf, die den Weg zu Ranches weisen—La Dueña, San Isidro, Los Apaches, La Burra, Arroyo Seco und Don Oscar. Von anderen Gebäuden sind nur noch Ruinen übrig, manche haben Einschusslöcher an den Seiten.

Wenn La Ribereña gelegentlich ein Schlachtfeld ist, dann sind die Ranches in der Umgebung Wasserversorgung, Trainingslager, Warenlager und inoffizielle Friedhöfe zugleich. Für Land- und Viehwirtschaft werden sie selten genutzt.

Während des Sondereinsatzes fand der Unterankläger insgesamt vier Industriefässer und verwitterte Kleidung, die einfach so herumlagen, auf einem Stück Land, das an La Ribereña grenzt, in der Nähe der Stadt Guerrero. Die Mafia in der Region benutzt diese Fässer als improvisierte Krematorien, um die Leichen ihrer Opfer verschwinden zu lassen. Die Soldateska des Kartells verwendet gern kulinarische Euphemismen in ihren Erzählungen. In Sarajevo haben sie von „Metzgern” gesprochen, die von Radovan Karadzic befehligt wurden. Hier werden die improvisierten Verbrennungsanlagen der Zetas „Küchen” genannt.

Niemand lebt mehr in dieser Gegend, die mittlerweile der Marsoberfläche ähnelt. Gelegentlich sieht man noch Männer in den orangenen Overalls, die für Geokinetics arbeiten, ein Unternehmen aus Houston, das nach Schiefergasvorkommen sucht, um sie auszubeuten.

Seit 2010 wird für Schiefergas als „Gas der Zukunft” die Werbetrommel gerührt. Der Kohlenwasserstoff ist hier in rauen Mengen vorhanden, doch er ist unter Gestein verborgen und kann nur durch Fracking an die Oberfläche gefördert werden. Um die Vorkommen ausbeuten zu können, braucht es zweierlei: eine Genehmigung der mexikanischen Regierung und sehr viel Wasser. Da es kürzlich durchgeführte Reformen ausländischen Unternehmen erlauben, in die Energiewirtschaft des Landes zu investieren, sind die Genehmigungen so gut wie erteilt. Und im Land der fünf Quellen ist Wasser genauso reichlich vorhanden wie Angst.

Ermittlungen in Piedras Negras

Coahuila ist verwüstet. Der Staub, den der Vorfall aufgewirbelt hat, muss sich erst noch setzen und die Stimmung unter den Einwohnern ist noch längst nicht so gut, als dass irgendjemand glauben würde, dass das Schlimmste vorbei sein.

Auf dem Weg nach Allende habe ich mit mehreren Menschen in Piedras Negras gesprochen, einer Stadt ca. 145 Kilometer westlich von Colombia gelegen, die Zeugen des Sondereinsatzes waren. Manche sagten, der Einsatz wäre nur Show gewesen, für andere war er eine bemerkenswerte Anstrengung, die bloß etwas spät kam. Die Geschehnisse sind inzwischen drei Jahre her und nur wenige der Menschen, mit denen ich gesprochen habe, hatten Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Ermittlungen. Mit wenigen Ausnahmen dominierte ein Gefühl der Entrüstung über das Thema.

Jedoch kamen auch die Kritiker des Einsatzes nicht umhin, die fortschrittliche GPS-Ausrüstung und das mobile Labor, das alle Informationen in Echtzeit verarbeitete, zu bemerken. Während Marinesoldaten die Stadt in Besitz nahmen, bewachte die Armee alle Ausfahrten und Ausgänge. Polizisten suchten nach Funktionären und ehemaligen Funktionären, um sie zu befragen.

Einer der Orte, den der Unterankläger in Piedras Negras durchkämmte, war das Gefängnis, das in ganz Mexiko bekannt ist, seit 2012 insgesamt 129 Insassen daraus ausbrachen. Nach Augenzeugenberichten gab es in diesem Gefängnis mehrere „Küchen” der Zetas.

Einige Amtspersonen haben die Vermutung geäußert, dass die Anwendung der „Küchen”-Methode seit 2010, als 72 Migranten, hauptsächlich aus Mittel- und Südamerika, erschossen in einem Schuppen in San Fernando, Tamaulipas, aufgefunden worden waren, stetig zugenommen hat. Die Überreste Dutzender anderer wurden entdeckt, als andere versteckte Gräber ausgehoben wurden. Das Massaker von San Fernando hat der Region zweifelhafte internationale Aufmerksamkeit beschert, während kriminelle Vereinigungen den Einsatz von dieselbefüllten Fässern verstärkten, um so weniger Mordspuren zu hinterlassen und daraus resultierende Skandale zu vermeiden.

Der Geschäftsmann Mauricio Fernández Garza war zweimal Bürgermeister von San Pedro in Nuevo Leon. Er ist einer der ersten Politiker, die sich zu den Geschehnissen geäußert haben. In einem Interview, das ich Ende 2011 mit ihm geführt habe, erklärte er mir:

„Ich höre immer wieder von diesen Dingen—von anderen Bürgermeistern, von Freunden, die Rinderfarmen betreiben, von Menschen, die mir erzählen: ‚Na ja, sie kamen, landeten in Helikoptern, und brachten alle um.’ Nichts davon gelangt je an die Presse. Ich habe auch zahlreiche Geschichten darüber gehört, dass sie unfassbar viele Menschen in Nuevo Leon umgebracht haben. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber einer der anderen Bürgermeister erzählte mir: ‚Sie haben einen Bulldozer bestellt—wer weiß woher—, um die Leichen zu begraben, die von dem Sondereinsatz der Regierung übrig geblieben waren.’ Ich weiß nicht, ob das wahr ist—ich ziehe es nicht in Zweifel. Ich sage dir nur, was ich gehört habe.

Auf der Farm eines Freundes landeten sie plötzlich mit Helikoptern und haben alle abgeschlachtet. Außerdem gibt es viele Morde innerhalb der kriminellen Vereinigungen—Opfer interner Streitigkeiten—, bei denen die Leichen in Säure aufgelöst oder verscharrt werden oder auf andere Weise verschwinden. Darüber hörst du auch nichts. Wenn du mir also erzählen würdest, ‚Wir sprechen hier offiziell von 50.000 Toten’, dann würde ich davon ausgehen, dass es sich tatsächlich um eine Viertelmillion Tote handelt. Ich bin überzeugt, dass auf jeden Tod, der gemeldet wird—ob nun von einer kriminellen Vereinigung oder der Regierung begangen—, fünf Morde kommen, die nicht gemeldet werden.

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Ich habe keine Beweise oder Statistiken, ich sage das auf Grundlage dessen, was ich gehört habe—30 Tote hier, 40 Tote da—und auf Grundlage dessen, was mir die Bürgermeister in ganz Nuevo Leon erzählt haben. Es spielt also im Grunde genommen keine Rolle, ob wir von 50.000 oder—realistischerweise—von 250.000 Toten sprechen. Es braucht mehr als Opferzahlen, um ein Land zu verändern.”

Andere Bürgermeister aus der Region haben mir Ähnliches erzählt. Allerdings haben sie verlangt, dass ich ihre Aussagen erst nach ihrem Tod veröffentliche. Oder sobald wieder Frieden in Nordmexiko eingekehrt ist. Eine Zukunft, die noch weit entfernt scheint.

Wie Fernández Garza schon sagte, tauchten die Massaker nicht in den Nachrichten auf. Das liegt aber nicht daran, dass die Journalisten vor Ort das Problem ignorieren. Sie haben eine Vorstellung davon, was vorgeht. Wenn sie aber anfangen würden zu recherchieren—oder schlimmer, Informationen herausgeben würden—, müssten sie das mit dem Tod bezahlen oder ins Exil gehen.

Entgegen aller Warnungen verließen wir Piedras Negras in Begleitung zweier gepanzerter Fahrzeuge von GATE (ein Sondereinsatzkommando des Bundesstaates). Diese umstrittene Elitetruppe wurde vom Gouverneur von Coahuila und einem Zusammenschluss von örtlichen Geschäftsleuten ins Leben gerufen. Sie besteht aus anonymen, maskierten Agenten, die dieselben Methoden anwenden dürfen wie die illegalen Gruppierungen, die sie bekämpfen.

Die GATE-Agenten begleiteten uns zu drei Ranches, in die die Zetas 2011 eingefallen waren.

Karte: Francisco Gómez

 Mexikos sonnengelbes ‚Springfield’

Allende wird manchmal auch „Springfield” genannt. Das kommt daher, dass die kommunale,  Regierung, die ihr Amt hier am 01. Januar angetreten hat, kurzfristig entschied, alle öffentlichen Gebäude—einschließlich des Marktplatzes, des Kulturzentrums und des Gemeindeverwaltung—in einem knalligen Gelbton zu streichen, der an die Simpsons erinnert.

Der Bürgermeister der Stadt, Reynaldo Tapia, sagte mir, dass er weder ein Fan der Simpsons noch Mitglied der Partei der demokratischen Revolution sei, deren offizielle Farbe genau dieser Gelbton ist. Tapia besitzt über 20 Pfandhäuser und ist Mitglied der Partei der institutionellen Revolution, der Partei, die zurzeit in Mexiko regiert. Er sagte mir, die Stadt wurde in dieser Farbe gestrichen, weil „Gelb die Farbe der Stärke” sei.

Gelb ist häufig auch die Farbe von Traktoren—wie die, die die Zetas verwenden, um große Villen im Stadtzentrum niederzureißen. Am Freitag, den 18. März 2011, fielen ungefähr 50 mit Soldaten des Drogenkartells bemannte Kleinlastwagen in Allende ein. Laut Zeugenaussagen, die der Unterankläger aufgenommen hat, hatten die bewaffneten Männer eine Liste mit Häusern, Geschäften und Ranches, die sie überfallen und zerstören wollten. Dem damaligen Bürgermeister, Sergio Lozano Rodríguez, hatten sie den Überfall angekündigt. Eines der zerstörten Gebäude befindet sich direkt vor dem Sitz der Gemeindeverwaltung, ein weiteres zerstörtes Grundstück befindet sich vor dem Wohnhaus des Politikers.

Anscheinend sah die Stadtverwaltung unter Lozano Rodríguez dem Massaker tatenlos zu.

Dem Bericht des Unteranklägers zufolge fuhren die Kommandotruppen zu den Grundstücken und nahmen alle Menschen fest, die sich in den Häusern befanden. Sie nahmen außerdem Wertgegenstände, Geld und Schmuck mit. Als sie fertig waren, ließen sie Nachbarn und andere Einwohner der Stadt plündern, was noch übrig war. Manchen nahmen wirklich alles mit, von Topfpflanzen bis Kühltruhen. Berichten zufolge nahm ein Arbeiter eine elegante Wohnzimmergarnitur aus Leder mit und musste sie danach unter einem Mesquitebaum vor seinem kleinen Haus aufstellen, weil sie einfach nicht ins Haus passte.

Foto: Gabriel Nuncio

Zeugen sagten den Ermittlern später, dass die Zetas nach der kollektiven Plünderung die Häuser zerstörten. In einigen Fällen verwendeten sie dazu Granaten, in anderen machten sie die Drecksarbeit mit Vorschlaghämmern und schwerem Gerät selbst. Diese Angriffe dauerten mehrere Tage an und laut Zeugenaussagen nahm die örtliche Polizei an den Überfällen und darauffolgenden Plünderungen teil. Einer der Zeuge sagte, er habe einen gut gekleideten Mann gesehen, der eine der Maschinen bediente.

Am Ende der Woche war von vielen Häusern im Stadtzentrum von Allende nicht mehr übrig als ein Haufen Schutt. Heute, drei Jahre danach, sind immer noch graue Zementblöcke und rußgeschwärzte verbogene Stahlträger zu sehen.

Anscheinend leistete niemand in den zerstörten Häusern Widerstand. Auch kann sich niemand daran erinnern, Zeuge einer Hinrichtung gewesen zu sein.

„Um die Wahrheit zu sagen, konnten wir nur die Granaten und Explosionen hören. Schüsse haben wir aber nicht gehört und auch keine Leichen gesehen”, erklärte mir ein Zeuge, dessen Aussagen vom Unterankläger aufgenommen wurden.

„Wer kann mir etwas über ihre vermissten Familienmitglieder sagen?”, fragte ich.

Der Zeuge antwortete: „Jeder, den du hier fragst, wird dir sagen, dass ein Freund oder ein Familienmitglied seitdem vermisst wird. Das ist eine Kleinstadt.”

„Wie viele Menschen sind verschwunden?”

„300, sagen sie, aber ich glaube, dass es mehr sind. Es war alles sehr chaotisch. Die Menschen hier wollen sich nicht daran erinnern, was passiert ist.”

„Wieso dieser brutale Angriff?”

„Zwei Männer—Luis Garza und Héctor Moreno—haben Geld von den Zetas gestohlen. Das Schlimmste ist, das beide jetzt unbehelligt in den USA leben, im Zeugenschutzprogramm.”

Eine verlassene Ranch. Foto: Diego Enrique Osorno

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José Luis Garza Gaytán gehört zur Familie der Garzas, die vor knapp 100 Jahren aus Lampazos in Nuevo Leon nach Allende kam. Sie waren nicht reich, konnten aber gut von ihrem Grundbesitz leben.

Die Familie von Héctor Manuel Moreno Villanueva hat einen guten Teil ihres Vermögens mit der Herstellung von Eis verdient, später dann mit einem kleinen Transportunternehmen. Der Haupteingang zum Grundstück befindet sich ungefähr acht Kilometer von der Hauptstraße entfernt, zwischen Allende und der kleinen Stadt Villa Unión.

Hunderte Einwohner von Allende wurden im März 2011 hierher getrieben und abgeschlachtet. Ihre Leichen sind nicht aufgetaucht.

Spätestens seit 2008 haben Garza Gaytán und Moreno Villanueva für die Zetas gearbeitet. 2011 hatten beide wichtige Ränge in der Welt des Drogenhandels eingenommen. Über Eagle Pass in Texas, an der amerikanisch-mexikanischen Grenze, schmuggelten sie Kokain in die USA. Doch im März 2011 brachen die beiden Männer die Verbindung zu der Organisation ab. Die Gründe sind unbekannt.

Am 18. März sammelten ihre ehemaligen Zeta-Kumpel Dutzende Menschen mit den Namen Garza, Gaytán, Moreno und Villanueva in Allende ein und brachten sie zu den Ranches vor der Stadt. Sie nahmen auch Nachtwächter, Köche, Hausmädchen und Hilfsarbeiter mit—alle, die für die Familien arbeiteten. Den Ermittlungen des Unteranklägers zufolge wurden die Ranches kurzerhand in Vernichtungslager umgewandelt. Die Zetas deponierten ihre Opfer in Fässern voller Diesel und zündeten sie an.

Alle, die diesen Nachnamen trugen, waren in Gefahr. Selbst die öffentliche Anklägerin vor Ort, Blanca Garza, die nicht mit der Familie Garza Gaytán verwandt ist, musste für eine gewisse Zeit aus der Stadt fliehen. Einigen Familienmitgliedern der Garza Gaytáns und der Villanuevas ist es gelungen, in die USA zu fliehen. Anderthalb Jahre später entschied sich einer von ihnen, Sergio Garza, nach Allende zurückzukehren. Er eröffnete ein Bekleidungsgeschäft und wurde zwei Wochen später mit seinem Sohn hingerichtet.

Seit März 2011 bis zum heutigen Tage leben die Menschen in Allende in den Ruinen der zerstörten Häuser. Ein paar Männer sahen in der Tragödie eine Geschäftsidee und fingen an, eine Tour durch die zerstörten Häuser anzubieten und Besuchern die Geschehnisse detailliert zu beschreiben. Dieses Vorhaben war aber nicht von langer Dauer und die jungen Männer wurden kurz darauf erschossen aufgefunden. Die Todesmaschinerie läuft weiter.

„Wie konnte das passieren? Wieso wurde das zugelassen?”, fragte ich einen der Anwohner.

„Wenn diese Leute beschlossen hätten, alle Einwohner der Stadt umzubringen, hätten sie das machen können. Wir waren völlig schutzlos.”

Der Unterankläger führte eine Zählung durch, um den entstandenen Schaden zu berechnen. Mit Stand von Februar 2014 liegt die offizielle Zahl der zerstörten Häuser im Stadtzentrum von Allende—die Ranches und Häuser in den Außenbezirken nicht mitgezählt—bei 29. In einigen Fällen stellten sich die Hausbewohner als Mieter heraus. In anderen Fällen lebten die Opfer in Häusern, an deren Türen Varianten der Namen Garza Gaytán oder Moreno Villanueva zu finden waren.

Das Massaker 

Wir verließen Allende und nahmen die Straße nach Villa Unión. Nach ein paar Kilometern bogen wir in eine Seitenstraße ab. Von da an befanden wir uns auf dem Grundbesitz der Familie Garza. Nach ein paar Kilometern tauchte das erste Gebäude auf, das Haus von Luis Garza Garza, und ein halb in Trümmern liegendes, grün-beiges Gebäude mit fünf Schlafzimmern.

Im Innern sahen wir eine verstaubte Lampeninstallation, die im Schutt lag, und zerbrochenes Glas. Unkraut wuchs zwischen verstreuten Dokumenten, auf denen der Name Garza Garza zu lesen war (in diesen Fällen gehörte sowohl die Familie väterlicherseits als auch die Familie mütterlicherseits zum Garza-Clan). Im Hinterhof war ein leerer Swimmingpool inmitten einer Brache zu sehen. Ich versuchte, mir den früheren Prunk vorzustellen.

Vor seiner Zerstörung war dieses Gebäude das Zuhause von sieben Erwachsenen und drei Kindern. Alle von ihnen werden seit März 2011 vermisst. Hinter dem zerstörten Gebäude befindet sich ein ebenfalls zerstörter Schuppen, dessen Aluminiumdach gestohlen wurde.

Das nächste Haus, bei dem wir hielten, hatte einem Mann namens Jesus Garza Garza gehört. In den Wänden waren riesige Löcher. Von der angrenzenden Scheune war nur noch die Hälfte übrig. Nachdem einer der GATE-Ermittler den Schauplatz untersucht hatte, sagte er mir, dass das Gebäude vermutlich von einer Rakete zerstört worden war.

„Eine Rakete?”, fragte ich ungläubig.

„Ja. Wir wurden schon einmal mit Raketen beschossen. Damit kriegen sie uns aber nicht klein.”

„Gab es einen Zusammenstoß?”

„Nein. Wir wurden am Ortseingang von Allende in einen Hinterhalt gelockt. An der Stelle, an der wir vorhin vorbeigekommen sind.”

Wir liefen weiter. Der GATE-Agent trug einen Tarnanzug in Wüstenfarben, eine kugelsichere Weste und ein AR-15-Gewehr. Plötzlich beugte er sich herunter, um die Asche näher zu betrachten. „Ich denke, hier haben sie sie verbrannt”, sagte er und deutete auf die Ecke der Scheune. „Deshalb haben sie alles niedergebrannt. Um die Spuren zu verwischen—das Blut und alles andere.”

Die Ranch, die wir besuchten und auf die sich der Unterankläger während des Sondereinsatzes konzentriert hatte, gehörte Rodolfo Garza Garza. Als wir näher kamen, hörten wir das Brummen von Hochspannungsleitungen auf nahegelegenen Strommasten—sie waren quasi aus dem Nichts aufgetaucht und machten alles noch unheimlicher.

Ungefähr 30 Meter vom Hauptgebäude entfernt bemerkte ich Haufen von Dieselfässern mit einem Fassungsvermögen von je fünf Gallonen und Dutzende Autoreifen, die benutzt werden, um die Verbrennung zu beschleunigen. Diese Dinge werden typischerweise von Kriminellen verwendet, um ihre Opfer verschwinden zu lassen.

2013 gab ein Zeta-Soldat dem Kriegskorrespondenten Jon Lee Anderson ein Interview. Er erzählte ihm, dass die Opfer zuerst mit Diesel durchtränkt und danach allmählich verbrannt werden. „Stück für Stück, bis du dich in Luft auflöst.”

Das Zeta-Mitglied erklärte, dass es „ungefähr eine halbe Stunde dauert, um jemanden vollständig verschwinden zu lassen. Sie gießen einfach so lange Diesel dazu, bis die Flammen dich verschlungen haben. Wenn du siehst, dass das Feuer erlischt, gießt du einfach noch mehr Kraftstoff dazu und gut ist.

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Nachdem ich das erste Mal an so etwas beteiligt gewesen war, habe ich einen Monat lang kein Hühnchen oder Fleisch gegessen. Es roch nämlich genauso wie gebratenes Hähnchen. Mir wurde klar, dass ein Mensch wie Brathähnchen riecht.”

Wie man 800 Kilo Kokain über die Grenze schafft

Der Lokalkorrespondent der mexikanischen Zeitschrift Proceso, Juan Alberto Cedillo, war der Erste, der über das Gerücht berichtet hatte, dass es innerhalb der Zetas zu einem Bruch gekommen war, der zur Zerstörung von Allende im Frühjahr 2011 führte. Erst im April 2013 konnte er bestätigen, was geschehen war.

Am 18. April 2013 reiste Cedillo nach Austin, um bei einem Prozess gegen mehrere Zeta-Mitglieder dabei zu sein. Mario Alfonso Cuéllar— in der Region einer der vormals wichtigsten Männer des Kartells—gab vor Gericht zu Protokoll, dass Miguel Ángel Treviño, alias Z-40, seine Hinrichtung in Auftrag gegeben habe, weil er überzeugt war, dass Cuéllar die amerikanische Drogenvollzugsbehörde (DEA) über den Kokainhandel in Piedras Negras informierte.

Tatsächlich waren es Héctor Moreno Villanueva und José Luis Garza Gaytán gewesen, die die US-Behörden informiert hatten.

Moreno Villanueva und Garza Gaytán halfen Cuéllar dabei, jeden Monat zwischen 500 und 800 Kilo Kokain über die Grenzstadt Eagle Pass in die USA zu bringen—das Land mit dem höchsten Kokainkonsum weltweit. Der Preis für ein Kilo Kokain beläuft sich in dieser Region auf ungefähr 20.000 US-Dollar, der geschätzte monatliche Gewinn beläuft sich somit auf 16 Millionen Dollar pro Monat—von denen 10 Millionen Dollar dafür aufwendet werden müssen, kolumbianische Lieferanten zu bezahlen, Transportkosten zu decken und Beamte in mehreren Ländern, vornehmlich in Mexiko, zu bestechen.

Der Nettogewinn der Organisation belief sich also auf 6 Millionen Dollar monatlich—allein in dieser Grenzregion. Piedras Negras war einer der wenigen stabilen Punkte. In anderen Städten entlang der Route—zum Beispiel Nuevo Laredo, Reynosa oder Matamoros—wurde der Handel durch Kämpfe rivalisierender Banden und Beamte, die sich nicht bestechen ließen, erschwert.

Im März 2011, vermutlich auch in anderen Monaten, betrogen Cuéllar, Moreno und Garza die Zetas um ihr Geld. Dies geschah zu einer Zeit, als der Krieg der Zetas gegen das Golf-Kartell um die Kontrolle über die nordöstlichen Grenzstädte seinen Höhepunkt erreicht hatte. Dieser Drogenkrieg hatte die Zetas dazu gezwungen, ihr flüssiges Kapital abzurufen. Als Racheakt verübten die Zetas Anschläge gegen Familienmitglieder, Freunde und Angestellte von Garza Gaytán und Moreno Villanueva, vornehmlich in Allende, aber auch in Piedras Negras und anderen Städten der Fünf-Quellen-Region.

Die Männer, die der Anlass für all die Brutalität waren, sind nun Teil des Zeugenschutzprogramms in den USA—das bestätigten mir heute zwei hochrangige Beamte. Gegenwärtig fordert Moreno Villanueva seine ehemaligen Partner—die seinen Grundbesitz in Schutt und Asche gelegt und einen großen Teil seiner Familie umgebracht haben—aus den USA und über sein Facebook-Profil heraus. Er schreibt Sachen wie: „Mögen meine Feinde lange leben, damit sie Zeuge meines Ruhms werden können.” An dem Tag, als Ángel Treviño, alias Z-40, festgenommen wurde, schrieb er: „Der kleine Baum wurde gefällt.”

Moreno Villanueva kommentierte außerdem einen bei Proceso erschienen Artikel von Cedillo mit dem Titel „Coahuila: Auf der Suche nach den vermissten, mit den Worten: „Es war der Gouverneur von Coahuila, Humberto Moreira, der das alles zugelassen hat und nie Hilfe nach Los Cinco Manantiales geschickt hat und die Region so dem organisierten Verbrechen überlassen hat.”

Valentinstag

Eine Woche nach dem Sondereinsatz des Unteranklägers entschied die Verwaltung von Allende, dass die Feierlichkeiten zum Tag des Soldaten am 19. Februar in Allende auf den 14. Februar, Valentinstag, vorgezogen werden.

300 Soldaten des 14. Regiments marschierten vor dem (inzwischen nicht mehr gelben) Sitz der Gemeindeverwaltung auf den Hauptplatz von Allende vorbei, hörten sich Reden an und waren in weniger als einer Stunde wieder in ihrem Hauptquartier.

Und doch kamen diese Truppen 2011, während des Massakers, zu spät. Zu der Zeit hatten die Soldaten provisorisch in der Sporthalle der Stadt Quartier bezogen. Inzwischen wurde das Gebäude in ein Warenlager umgewandelt, in dem die orangenen Overalls—die von den Männern getragen werden, die die Gegend um La Ribereña erkunden—hergestellt werden, genauso wie die feuerfesten Overalls, die wahrscheinlich bald von Arbeitern getragen werden, die Schiefergas in der Region abbauen.

Eines der Opfer arbeitet in einem Blumenladen. Sie steckt Rosensträuße und Blumenarrangements zusammen und gibt sich von dem Sondereinsatz unbeeindruckt. Ihr Mann war Bauarbeiter und auch am Bau von Garza Gaytáns Haus beteiligt. Einzig und allein aus diesem Grund wurde er am 18. März 2011 entführt.

„Ich gehe davon aus, dass er tot ist, da wir gehört haben, dass die Menschen auf der Garza-Ranch umgebracht wurden. Die Menschen, die dort vorbeifuhren, sagten, dass es fürchterlich gestunken hätte”, sagte sie und fing an zu weinen.

Die Floristin sagte mir, sie habe nie offiziell Anzeige erstattet, genauso wie die meisten Familienmitglieder der vermissten Personen in der Region. Tatsächlich melden nur wenige Menschen in Nordost-Mexiko das Verschwinden ihrer Angehörigen. Sie haben genauso viel Angst vor den kriminellen Vereinigungen wie vor den Behörden. Diejenigen, die den Mut haben, das Verschwinden ihrer Angehörigen offiziell zu melden, tun das mithilfe von NGOs wie den United Forces for Our Disappeared in Coahuila oder Fuundec.

„Es ist gut, dass die Ermittler des Unteranklägers hergekommen sind, aber ehrlich gesagt ist es mir egal”, sagte mir die Blumenhändlerin.

„Wieso?”

„Auf lange Sicht ist es ja nicht vorbei. Sie sind immer noch hier.”

Zeugenaussagen zufolge hieß der Mann, der das Massaker in Los Cinco Manantiales angeordnet hat, Gabriel Zaragoza, auch bekannt als Commander Flacaman. Im Jahr 2012 wurde Commander Flacaman während interner Kartellstreitigkeiten in San Luis Potosí von seinen Partnern ermordet.

Über die anderen Henker ist nichts bekannt, genauso wenig wie darüber, welche der Behörden vor Ort sich mitschuldig gemacht haben, indem sie das Massaker geschehen ließen.

Nachdem dieser Artikel das erste Mal bei VICE Mexiko erschienen war, bat der Gouverneur von Coahuila, Rubén Moreira, um ein Treffen mit dem Autor des Artikels, Diego Enrique Osorno. Laut Osorno versprach der Gouverneur, dass seine Mitarbeiter den Opfern helfen und den Betroffenen Gerechtigkeit widerfahren lassen würden. Fast fünf Monate später ist immer noch nichts passiert. Auf höherer Ebene hat Eliana García Laguna, die neue Unteranklägerin für Menschenrechte in der Behörde des Generalstaatsanwalts, versprochen, Ermittlungen einzuleiten. Der Unterankläger des Bundesstaats Coahuila hat seinen Bericht bisher noch nicht veröffentlicht. Währenddessen werden in Allende die von den Angriffen im März 2011 übrig gebliebenen Ruinen abgerissen. wohnzimmergarnitur leder

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hakim

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